|
Ermüdungsbrüche
Ermüdungsbrüche, auch Stressfrakturen genannt, sind vielen Athleten aus leidiger Erfahrung bestens bekannt. Sie können aber leicht vermieden werden.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Krankheitsbild des Ermüdungsbruchs erstmals beschrieben und in den darauf folgenden Jahrzehnten nahmen derartige Überlastungs-schäden deutlich zu. Eine Ursache für solche Ermüdungsbrüche ist sehr oft auch im Sport zu finden.
Was ist eine Stressfraktur?
Ein Ermüdungsbruch ist eine klassische Überlastungsverletzung. Besonders in Phasen übermäßigen Trainingsumfangs und Intensität sind bestimmte Muskelgruppen und Skelettregionen besonders anfällig für eine derartige Verletzung.
Wie entsteht eine derartige Verletzung?
Die menschlichen Knochen sind beim Laufen einer enormen Belastung ausgesetzt und können nur durch die Mithilfe der umliegenden Muskulatur gestützt werden. Diese Muskulatur hat eine dämpfende Wirkung. Mit zunehmender Ermüdung der Muskulatur reduziert sich diese Stützfunktion und der Knochen erfährt so ein erhöhtes Maß an „Stress“. Durch die Kräfte, die auf den Knochen einwirken, entstehen kleinste Schäden. Wenn der Knochen zu wenig Zeit hat, sich der geänderten Belastung anzupassen (fehlende Regeneration), kann es letztlich zu einem Ermüdungsbruch führen. Eine weitere mögliche Ursache kann auch eine Beinlängendifferenz sein, welche eine ungleiche Verteilung der Kräfte auf die Beine bewirkt.
Wer ist anfällig?
Ermüdungsbrüche treten häufiger bei weiblichen Athleten auf, was auf hormonelle Gründe zurückzuführen ist. Auch die Einnahme von Kontrazeptiva (Anti-Baby-Pille) erhöht das Risiko einer solchen Verletzung. Noch höher ist das Risiko bei Vorliegen einer sportbedingten Essstörung (Anorexia Athletica). Diese Essstörung löst Zyklusstörungen und Osteoporose aus. Mit dem Sinken der Knochendichte steigt natürlich auch das Risiko einer Stressfraktur. Grundsätzlich kann jeder Athlet bei Überbeanspruchung einen Ermüdungsbruch erleiden. Interessant ist, dass eine signifikante Altersabhängigkeit bei der Lokalisation der Frakturen vorliegt. Jüngere Sportler erleiden häufiger Brüche im Bereich des Schien- und Wadenbeins, bei älteren Athleten sind es eher Stressfrakturen am Oberschenkelhals und den Fußwurzelknochen.
Wo tritt die Verletzung auf?
Stressfrakturen treten vor allem in den unteren Extremitäten (Bein, Fuß) auf, wo die Belastung beim Laufen ein Vielfaches des Körpergewichts beträgt.

Welche Beschwerden treten auf?
Die Beschwerden treten wie bei allen Überlastungsschäden schleichend auf. Zuerst macht sich während der Belastung ein dumpfer Schmerz bemerkbar. Der Schmerz wird im Ruhezustand geringer und ist zu Beginn überhaupt nicht zu spüren. Bei fortlaufender Belastung tritt der Schmerz immer früher auf und wird in weiterer Folge auch an Intensität zunehmen. Es kann auch sein, dass die Schmerzen ausstrahlen und sich in benachbarten Gelenken bemerkbar machen. In der Untersuchung zeigt sich an dieser Stelle dann ein lokaler Druckschmerz, auch eine Schwellung in diesem Bereich ist möglich.
Wie weiß ich, dass ich einen Ermüdungsbruch habe?
Die Diagnose eines Ermüdungsbruchs ist durchaus schwierig. Da das oben genannte Beschwerdebild auf viele überlastungsbedingte Verletzungen (Beinhautentzündung, akute oder chronische Muskelverletzungen, Insertionstendinopathien oder auch ein chronisches Kompartementsyndrom) hinweisen kann, ist es schwierig, eine Stressfraktur eindeutig zu diagnostizieren. Im beginnenden Stadium ist ein Ermüdungsbruch oft nicht im Röntgenbild zu erkennen. Als verlässlichstes radiologisches Hilfsmittel steht heute die Magnetresonanztomographie (MRT) zur Verfügung. Mithilfe dieser Methode können Stressfrakturen zuverlässig diagnostiziert und von anderen Verletzungen unterschieden werden.
Was mache ich, wenn ich eine Stressfraktur habe?
Die wichtigsten Maßnahmen bei einem Ermüdungsbruch sind Ruhigstellung und Entlastung. Je nach Lokalisation, dem Diagnosezeitpunkt und dem Grad der Verletzung reicht die Therapie von einfacher Schonung über Ruhigstellung mit Tape oder Gipsverband bis hin zur operativen Behandlung in einigen Fällen. Brüche des Fersenbeins, des Wadenbeins oder des 1. – 4. Mittelfußknochens heilen meist durch konsequente Schonung sowie eine Trainingspause von 6-8 Wochen aus. Gegen eine anderwärtige Beanspruchung (zB Schwimmtraining) spricht während dieser Schonphase nichts. Andere Brüche, wie die des Kahnbeines, des mittleren Schienbeines, des Oberschenkels sowie des 5. Mittelfußknochens benötigen eine längere Trainingspause mit Ruhigstellung durch Gips. In manchen Fällen ist auch eine Fixation durch einen operativen Eingriff möglich. Nach Ausheilen des Bruchs beginnt die Rehabilitation. Hier kann ein Physiotherapeut helfend zur Seite stehen.
Wie kann ich einen Ermüdungsbruch vermeiden?
Gerade für Triathleten ist es nicht unbedingt nötig, Laufumfänge von 100 oder gar 150 Kilometern pro Woche zu absolvieren. Grundlagentraining kann durchaus auch auf dem Rad absolviert werden. Zudem solltet ihr darauf achten, eure Umfänge nicht schlagartig zu steigern und bei muskulärer Ermüdung auch mal auf den Körper zu hören, anstatt „noch einmal drauf zu trainieren“.
Tipps zur Vermeidung von Ermüdungsbrüchen:
- Laufumfang „vernünftig“ wählen
- Beim Auftreten von Schmerzen sofort pausieren
- Nicht mit alten „fertiggelaufenen“ Schuhen laufen
- Nicht ausschließlich auf Asphalt laufen
- Zufuhr von ausreichend Kalzium und Vitamin D
- Bei anhaltenden Beschwerden den Arzt aufsuchen

Dr. med. Alex Szyskowitz
Chirurg und aktiver Triathlet. Als mehrmaliger IRONMAN-Hawaii-Teilnehmer weiß er nur allzugut, worauf es im Triathlon ankommt. Er bereichert triaguide-train.com mit einer regelmäßigen Kolumne.
|